Fünfhundert Gramm

Gleich muss einer ausweichen. Der auf dem allzu schmalen Trottoir auf mich zukommende Mann trägt Einkaufstaschen in beiden Händen, ich nur in der rechten. Seine Statur ist breitbeinig, die Füße nach außen gestellt und im wiegenden Gang offenbart sich der Versuch stechende Hüftschmerzen auszubalancieren. Selbst hinter den fast schwarzen Sonnenbrillengläsern verraten sich die zornigen Augen. Er schnauft. Ich drehe mich zur Seite, er im selben Augenblick. Wie zwei Feinmechanikteilchen gleiten wir aneinander vorbei. Das Schnaufen wird breit. Ein Lächeln?
 
Am Eingang zum Marktplatz stehen Fahrräder. Werden an- oder gerade abgekettet. Körbe vorne. Körbe hinten. Satteltaschen. Eine verschnürte Puppe. Oh.
Zwei Kinder sitzen in einem Lastenfahrrad, eingebaut zwischen Spargel und Rhabarberstangen. Keines weint, das mag am Samstag oder am versprochenen Eis liegen. Die Schlange am Spargelstand ist endlos. Der Wind weht Fischfrikadellenduft zwischen Kräutertöpfe, am Käsestand wird gefachsimpelt. Beim Kartoffelmann tut das niemand. Kartoffeln sind nicht so intellektuell wie geronnene Milch, denke ich. Was haben wir früher eigentlich ohne Burrata gemacht? Beim türkischen Händler steht ein Petersilienwald – ich bin glücklich.
 
Bei den Erdbeeren treffe ich Frau U. „Fünfhundert Gramm“ weiterlesen