Aktuelle Lese-Termine

Am Samstag den 21.11.26 um 19:00 Uhr gibt’s die Buchvorstellung mit Lesung bei Primobuch in Berlin-Steglitz, der Eintritt ist frei, aber meldet euch bitte per Mail oder telefonisch bei Primobuch an: 030- 70178715 / kontakt@primobuch.de

Am Sonntag den 29.11.26 um 16:00 Uhr bin ich zu Gast beim Literatur-Quickie, mit vier weiteren Autor*innen. Veranstaltungsort ist das FOTOSTUDIO NIKISCH, Tarpenbekstraße 65, Hamburg – Eppendorf. Der Eintritt beträgt 10 € und alle weiteren Infos dazu findet ihr hier: https://www.literatur-quickie.org/lesung/

Am 10.12.26 um 19.30 Uhr geht’s weiter bei der Lesereihe „Das Tor zur Welt“ im Teehaus Große Wallanlagen (Holstenwall 30, 20355 HH) in Planten un Blomen. Zusammen mit dem grandiosen Sabine Metzger Sextett, das die Lesung musikalisch begleiten wird, wird’s ein Donnerstagabend vom Feinsten. Eintritt ist frei.

Am 15.01.2027 bin ich zu Gast beim Verlagsabend des Dreiviertelhaus Verlags in Bonn im „Beueler Buchladen“, Friedrich-Breuer-Straße 93, 53225 Bonn. Nähere Infos hier folgen noch.

Auf der Leipziger Buchmesse 2027 werdet ihr mich bei meinem Verlag ( https://www.dreiviertelhaus.de/ ) ebenfalls mit den Spatzen und lesend antreffen – Infos folgen!

Es sind weitere Lesungs-Termine geplant, sobald die Termine und genaueres zu den Orten und Zeiten feststeht, findet ihr es hier.

Neues Buch im Herbst 2026

Der Himmel ohne Spatzen – Geschichten nach dem Tod

Und das meint mein Verlag dazu:

„Vier Jahre nach ihrem Debüt Dienstag mit Taube, das herzlich-skurrile Erzählungen einer Stadtflaneurin versammelt, erscheint nun der neue Band der Hamburger Autorin Bettina Strang.

Auch ihr zweites Buch ist prall gefüllt mit Leben, was angesichts des Themas verwundern mag, handelt es sich doch um Geschichten aus dem Alltag einer Bestatterin. Aber natürlich sind Tod und Trauer Facetten des Lebens, und so geht es dabei immer auch darum, Lebensläufe zu reflektieren und durch Erinnern und Loslassen zu
einem Abschluss zu bringen.

Mit viel Gefühl beschreibt Bettina Strang in ihren kurzen Erzählungen Begegnungen mit Menschen – lebendigen und toten –, gewährt Einblicke in das Abschiedshaus eines Bestattungsinstituts und zeigt, dass Abschiednehmen so individuell ist wie der Mensch, um den es geht.

Umschlagmotiv: Kornelius Wilkens

Erscheint im Herbst 2026″

Na, und ein erster Lesetermin steht auch schon fest: Am Donnerstag, den 10. Dezember 2026 um 19:00 Uhr bin ich zu Gast in der Lesereihe „Das Tor zur Welt“ , im schönen Teehaus an den Wallanlagen in Planten un Blomen. Eintritt ist frei, also kommt vorbei und lauscht!

Nichts zu finden

Henk hat einmal gesagt, ich müsse der Nacht zuvorkochen, wenn ich sie heraufziehen sehe. Also ging ich los, Pastinaken kaufen, weil Pastinaken der Nacht ihre erdige Süße entgegenstellen, ihr Aroma tief in mir aus unerfindlichen Gründen ein glaubwürdiges „Es geht vorbei“ entfaltet, das dieserart, wenn überhaupt je, nur der tröstend flüsternden Stimme meiner Mutter zu entnehmen war. Früher. Ich weiß nicht mehr wann.

Neben dem Wurzelgemüse stand ein Korb mit Feldsalat. Ohne zu überlegen füllte ich eine mittelgroße Papiertüte mit den dunkelgrünen Blattsträußchen, griff drei Pastinaken, eine Möhre und hastete zur Kasse.

Heute war ich froh um jedes nicht gesprochene Wort. War froh im separaten Büro, ohne Gegenüber. Sagte „Ach, wenig geschlafen“ zu den musternden, halb fragenden Blicken.

Gestern Abend hatte ich mich trotz allem in den Wind begeben. Das Wetter. Den nervnadeligen Regen. Hatte mir, trotz aller Vorbehalte, vorgenommen „Monets Garten“ zu besuchen. Eine multimediale Ausstellung. Ein immersives Erlebnis. Eintauchen also. Eintauchen klang gut.

Du musst auch mal raus. Was anderes sehen.Auf dem Sofa liegen kannst du noch, wenn du tot bist. (Really?)

Kam an. Durchnässt. Klammkalt mit hochroten Händen, obwohl es gar nicht mehr klirrend hier ist. Hing den Mantel an die Garderobe. Stand vor sich bewegenden, multimedialen Bildern. Kam in einen großen Raum mit großer Projektionswand, der wie ein Garten gestaltet war. Ein billiger Garten aus Chinaplastik, mit blutleeren Seerosenanimationen auf dem Boden. Auf der großen Projektionswand flirrende Farbschnipsel, die wie mit einem Knethaken ineinander gerührt wirkten.

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Eisenmangel

Am Hauptbahnhof füllt es sich plötzlich. Pendlertrauben auf dem Bahnsteig. Beim Öffnen und Eintreten schnaufen Mensch und U-Bahntüren gleichermaßen. Körper gleiten magnetisch auf Sitzplätze, Taschen und Kinder werden auf den Schoß gehoben, ein Mann zwängt sein Fahrrad zwischen die Stehenden. Die Luft, unfähig Weiteres aufzunehmen, presst alle Gerüche derb und ungefiltert in die Nasenschleimhäute.

Die Frau mir gegenüber öffnet ihren Anorak. Ein verwaschener, blassroter Sweater wird sichtbar, auf dem kleine Strasssteine den Schriftzug „femme fatale“ bilden. Ich denke „Eisenmangel“, und betrachte die von jeher zu kurz gekommenen Gesichtszüge, die fahl und konturlos das Weißlicht der Tunnelleuchten in sich aufnehmen. Wir wiegen uns in den von leisem Quietschen begleiteten Kurven, verbeugen uns sanft bei jeder Bremsung und schicken unsere leeren Blicke durch das Gedränge oder belassen sie stumpf auf den tröstenden Displays der Handys.

Nirgends ist der Zustand der Stadt so lesbar wie in ihren Bussen und Bahnen, wo sich die Gesichter entspannen, die Notwendigkeit zur mimischen Präsenz entfällt und alle Erloschenheit sichtbar wird.
Die femme fatale hat ein Hustenbonbon aus der Handtsche geholt, es aus der Hülle gedrückt und zwischen die enttäuschten Lippen geschoben. Kurz rollt es auf ihrer Zunge am Gaumen entlang, bevor es in der linken Wangentasche verschwindet. Minze. Ein Teenager mit In-Ears beginnt laut ein Telefongespräch, das unangekündigt Worte wie „Digga“ und „scheiß Alte“ in die breiige Luft stößt.

Ohne am Ziel zu sein, steige ich aus. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie der von mit befreite Platz von einem bärtigen Mann ohne Augenbrauen besetzt wird. Die abfahrende Bahn wirbelt Papierschnipsel vom Boden.
Kaum ist es still, fliehen im Gleisbett die Ratten.

Marthamoment

„Martha, kommst du mal“, fragtsagt der drahtige Endsechziger mit Halblesebrille und ausgeschlafenem Haarschopf, während er vom Geschirrtisch eine bunt-geblümte Teekanne, vermutlich aus den Achtzigern, fischt.

Ich stehe auf der anderen Seite des Tischs und taste mich mit den Augen von Teller zu Teller. Dabei halte ich eigentlich Ausschau nach einem Mörser. Es ist recht leer im Second-Hand-Kaufhaus, was sowohl am Schnee als auch an der Nähe zum Ende der Öffnungszeit liegen mag. Fünfundzwanzig Minuten noch.

Martha lässt auf sich warten, was ein ausgedehntes „Maaaarthaaaaa“ nach sich zieht. Flötenhaft die Antwort (vermutlich aus der Bekleidungsabteilung im Nebenraum): „Gleich, Dolli!“

Dolli. Wie wohl lautet der Name des Mannes, wenn er „Dolli“ gerufen wird? Ich drehe mich um zum Topftisch, behalte Dolli aber vorsorglich im Ohr. Ich brauche keinen Topf, hoffe jedoch, dass vielleicht hier ein Mörser steht, weil es vermutlich keinen Mörsertisch gibt und sich zwischen den Töpfen auch Siebe und Käsereiben finden.

„Dolli, nein, wirklich. Viel zu pausbackig. Da schmeckt der Tee ja wie aus dem Bottich! Das passt nicht zu uns.“

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