Ich bin ein Menschenmensch.


Schon immer. Sehr früh hatte ich ein Gefühl dafür, wie wichtig Kommunikation für das gegenseitige Verstehen ist – vorausgesetzt, wir wollen einander wirklich verstehen. Dass Wollen nicht gleich Können ist, durfte ich bereits im Kindergarten erfahren. Natürlich wollte ich eine schöne Laterne zu St. Martin basteln. Ich habe eine Laterne zu St.Martin gebastelt. Mehr möchte ich über diese Laterne nicht sagen. Lassen Sie mich nicht stricken. Geben Sie mir keine Pinsel in die Hand oder einen Batzen Tonerde. Fragen Sie mich nie, ob ich Ihnen ein Drei-Gänge-Menü für vier verschiedene Ernährungsvorlieben (mit Fleisch, ohne Fleisch, fruktosefrei und eiweißfokussiert) kredenzen kann. Wünschen Sie sich einen Brief. Handgeschrieben, fünf, zehn oder zwanzig Seiten. Schon sind wir im Thema. Sie brauchen kurzfristig ein Gedicht zu Vatis 80.? Einen Sketch für das Firmenjubiläum? Ja, bitte.

Wenn Ihnen die Worte fehlen, dann habe ich welche für Sie.

Schöne, humorvolle, gradlinige, diplomatische, wertschätzende, punktgenaue, besinnliche, melancholische, klare, brückenschlagende, verbindliche, ungeschönte, präzise, bewegende, wohlklingende, berührende – kurzum: passende Worte.

Leben und Lebendigkeit in allen Facetten, das ist es, was mich bewegt. Brücken zu schlagen zwischen scheinbaren Gegensätzen. Unaussprechlichem einen Ausdruck zu geben. Ich blicke mit viel Liebe, Humor und Staunen in die Welt. Fragen Sie mich nach dem Aufwachen, wie ich mich fühle, die Antwort wird sein: vergnügt! Für das sanfte Moll der Melancholie bleibt dabei ebenso viel Raum wie für die Abgründe tiefer Traurigkeit oder des Schmerzes.

Mir ist nichts Menschliches fremd.

Ich komme aus einer rheinisch-bayrischen Großfamilie, mit Geschwistern und Halbgeschwistern. Geplapper am täglich gemeinschaftlichen Mittagstisch ist mir so vertraut wie die köstlichen Momente des Alleinseins. Ich kenne verwandtschaftliche Verbundenheit ebenso wie den Sprengstoff familiärer Konflikte. Bei uns wurde gelacht und gestritten, philosophiert und gefachsimpelt, gelitten und vergöttert, gelebt und gestorben. Krebs, Schlaganfälle, Herzinfarkte, Demenz – lange bevor ich nach meinem Abitur ein soziales Jahr machte, hatte ich Krankheiten und Sterben gesehen und begleitet. Mein Jahr als Diakonisse im Krankenhaus war bereits Kür, längst nicht mehr Pflicht.

Ob es ein erstes Wort von mir gab, ist nicht überliefert. Vermutlich war es ein erster Satz oder sogar eine erste Geschichte. Kaum, dass ich sprechen konnte, habe ich erzählt. Kaum, dass ich schreiben konnte, habe ich geschrieben. Das erste »richtige« Gedicht entstand, so gesehen, relativ spät. Im Physikunterricht bei Frau Meisel. In den beiden Deutschstunden davor hatten wir den Film »Im Westen nichts Neues« auf Video gesehen. Unmöglich, sich nach Kriegsfeldern auf Magnetfelder zu konzentrieren. Wer pathetische Lyrik im Eichendorff-Stil mag, der kontaktiere mein junges Ich.

Ein Wort zum Weg.

Natürlich war mein Lieblingsfach in der Schule Deutsch. Weshalb ich mich nach dem Krankenhausjahr für ein Studium in Germanistik und Philosophie entschied. Literatur zu lieben und Literatur wissenschaftlich zu betrachten sind allerdings zwei Paar Schuh. Es war eine Übung über Rilke, in der ich entschied, mein Studium nach vier Semestern aufzugeben. Die »Duineser Elegien« interpretatorisch sezieren zu müssen und nicht einfach in den Rausch ihrer Sprache und Bilder abtauchen zu können, war der Schlüsselmoment.

Zur nervlichen Beruhigung meiner Eltern entschloss ich mich zu einem Kurzausflug in ganz andere Gefilde. Nach der Ausbildung an der Fachschule für Kosmetik trat ich in die Fußstapfen meiner Mutter und stieg mit in ihr Geschäft, ein Kosmetikstudio, ein. Was als Interimslösung gedacht war, entwickelte sich rasch zu einem leidenschaftlich gelebten Beruf. Die tägliche Begegnung mit Menschen und der intensive Kontakt mit ihnen traf natürlich meinen Nerv. Ein bis zwei Stunden ist man gemeinsam in einem Raum, ohne Zuhörer, in Hautkontakt verbunden, in einer Atmosphäre aus Wohlbefinden und Entspannung. Das schafft eine Intimität, in der sich Menschen öffnen. Erzählen. Viel von ihrem Inneren preisgeben. Ja, in der Kosmetik geht es ums Aussehen. Um Haut. Um Alterslosigkeit. Um Pickel, Falten, Make-up und Cremes. Mir ging es mit meinen Händen um nichts anderes als mit meinen Worten: Menschen wahrhaft berühren. Eine Kundin sagte einmal zu mir: »Niemand kennt mich so gut wie Sie!«

Sie finden mich in, nicht zwischen den Zeilen.

Etwas mehr als 20 Jahre habe ich im Dienste der Schönheit verbracht. Im eigenen Geschäft, als Trainerin für medizinische Kosmetik, Seminarleiterin, Verfasserin für Werbetexte, Fach- und Blogartikel. Habe meine Gabe, mit Händen und Worten zu berühren, an und mit vielen Menschen teilen dürfen. Seit 2010 lebe, schreibe und spaziere ich in Hamburg.

Über die Jahre hat es immer mehr in mir geschrieben und ich habe immer mehr geschrieben. Aufgeschrieben. Erzählt. Ausgedrückt. In Reden, fürs Marketing, in Geschichten, Beschreibungen, Sketchen; für Moderationen, Interviews und Presse.

Meine Herzensangelegenheit dabei bleibt: das Wesen eines Moments, eines Gedankens, eines Gefühls, ja selbst einer Information, einzufangen und in die passenden Worte zu bringen. Wenn ich für andere schreibe, dann ist mir wichtig, dass sich der Mensch in den gewählten Worten wiedererkennt; dass sie mein Gegenüber zum Ausdruck bringen – nicht mich.

Die Liebe zu Ausdruck, Verbindung und Menschen spiegelt sich ebenfalls in meinen intensiv gelebten Leidenschaften Schauspiel (Mitglied des Ensembles ungeschminkt e.V.) und als freie Rednerin (Mitglied im Toastmasters International Club Hanseredner e.V.).

Immer wortverbunden,

Ihre
Bettina Strang